Welche Therapieformen gibt es?

Hier ein Überblick der BZGA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Deutschland):

Ambulante Therapie

Eine ambulante Therapie wird in einer psychologischen oder ärztlichen Praxis durchgeführt.

Teilstationäre Therapie

Tageskliniken ermöglichen eine Behandlung, die tagsüber an fünf Tagen in der Woche durchgeführt wird.

Stationäre Therapie

Eine stationäre Behandlung erfolgt in einem Krankenhaus.

Therapien in der Region

Übersicht über Therapieformen / einzelne Bausteine einer Therapie, in unserer Region, Kanton St. Gallen / Zürich finden Sie, allgemein und Essstörungsspezifisch beispielhaft im Überblick:

Psychiatrie St. Gallen Nord

Psychiatrie-Dienste St. Gallen Süd

Zentrum für Essstörungen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Univertätsspital Zürich

Teamarbeit

«An der Behandlung von Patienten mit einer Essstörung sind in der Regel mehrere Berufsgruppen aus verschiedenen Bereichen der Versorgung beteiligt.»

Im Idealfall arbeiten die verschiedenen Berufsgruppen als ein Team zusammen und tauschen sich regelmässig aus, um gemeinsam mit den Angehörigen den besten Therapieweg für den/die Betroffene zu finden und auch gemeinsam zu gehen.

Kommt es zu einer stationären Aufnahme arbeiten alle beteiligten Berufsgruppen in der Regel miteinander Hand in Hand und auch im tagesklinischen Setting ist dies möglich und äussert sinnvoll.

Im ambulanten Setting ist das oft nicht so einfach oder möglich und hier sind die Eltern und Angehörigen gefragt, als «Case-Manager» einzuspringen und die «zentrale Leitstellen-Funktion» zu übernehmen, um einen Informationsaustausch möglich zu machen.

Im Ambulanten Setting sollte das Team idealerweise aus einem auf Essstörungen spezialisierte / erfahrene

  • Facharzt/-ärztin
  • Ernährungsberatung
  • Psychiater/in und/oder
  • Psychotherapeuten/in

bestehen, denn Essstörungen sind komplexe, multifaktorielle Erkrankungen bezüglich ihrer vielfältigen (genetischen, biologischen- und Umwelt-bedingten-) Ursachen, Ausprägungen und Verläufe.

(Anmerkung: zum Unterschied zwischen Psychiater und Therapeut: Psychiater ist ein Arzt mit Spezialisierung auf Psychiatrie und kann neben der Diagnosestellung und therapeutischen Behandlung auch Medikamente verschreiben. Psychiater*innen haben eine wichtige Funktion im Therapie-Team, denn nicht selten «kommt eine Essstörung alleine». Beispiel: Depressionen, Zwangs- und Angststörungen, die im Vorfeld vielleicht auch schon ersichtlich waren, verstärken sich während der Essstörung und können auch nach erfolgreicher Behandlung der Essstörung weiter bestehen! Jede mögliche weitere psychiatrische Erkrankung sollte nicht unerkannt bleiben, sondern diagnostiziert und neben der Essstörung behandelt werden, denn sie können den Verlauf und Heilung der Essstörung erheblich beeinträchtigen! siehe «Komorbidität»). 

Für Essstörungen braucht es also unbedingt ein interdisziplinäres Team, das aber auch gleichzeitig auf die Bedürfnisse des/der Betroffenen in allen Phasen der Genesung angemessen eingehen kann, (oft sind im Verlauf unterschiedliche Therapiesettings (siehe oben) notwendig).

Essstörungen sind aber gleichzeitig auch ganz individuell zu sehen und jeder Patient/jede Patientin sollte aus eben den oben genannten Gründen auch so behandelt werden. Das bedeutet, dass nicht alle Behandlungsformen für alle Patient*innen gleich gut geeignet sind (z. B. aufgrund von Alter, Verlauf, Persönlichkeit) und so kann es sein, dass der, dem Wohnort nächstgelegene Therapeut nicht der passende sein mag oder es müssen längere Wege in Kauf genommen werden, um geeignete Spezialisten oder Therapieeinrichtungen zu finden. Das braucht Zeit, Engagement und auch ein grosses Durchhaltevermögen. Aber es lohnt sich, denn wir haben es mit lebensbedrohlichen Erkrankungen zu tun und wir würden Nichts anderes unternehmen, wenn unser geliebter Mensch oder wir selbst an z. B. einer Krebserkrankung leiden würden!

Nicht selten ist ein höheres Level der Unterstützung notwendig,
d. h. ein bereits bestehendes ambulantes Setting ist nicht mehr ausreichend oder konnte nicht gefunden werden und ein stationärer Aufenthalt wird vom aufsuchenden Arzt empfohlen. Leider müssen oft lange Wartezeiten in Kauf genommen werden, um bei einer spezialisierten Therapieeinrichtung aufgenommen werden zu können! Das ist tragisch, denn gerade bei Anorexia Nervosa kann ein schneller und dramatischer Gewichtsverlust kaum mehr aufgehalten werden und bedroht massiv die Gesundheit und das Leben! Jede Form von Unterstützung und eine kontinuierliche ärztliche Kontrolle/Überwachung (durch Hausarzt/Kinderarzt/Ambulanz der Spitäler) ist unbedingt notwendig!

    Leitlinie:

    S3-Leitlinie
    „S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen“

    Universitätsklinikum Freiburg, 1. Auflage 2015

    Therapiebausteine:

    Artikel & Video
    What to expect from treatment

     

    nationaleatingdisorders.org

    CBT-E

    Die Therapien für Essstörungen sind schwierig und ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich wenig belegt. Die Transdiagnostisch Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen
    (CBT-E) bildet die Ausnahme.

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    «Transdiagnostisch Kognitive Verhaltenstherapie

    Da sich die Symptome und damit die Diagnosen bei Essstörungen wandeln können, nannte Fairburn die von ihm entwickelte Therapie «Transdiagnostisch Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen» (CBT-E).

    Alle Menschen mit Essstörungen, unabhängig von der momentanen Diagnose, müssen als erstes lernen, sich normal zu ernähren, d. h. strukturierte Malzeiten regelmässig zu sich zu nehmen. Magersüchtige müssen zunehmen, Bulimikerinnen sich mit normalen Portionen anfreunden und nicht mehr erbrechen, Esssüchtige müssen ihre Essattacken in den Griff bekommen.

    Alle Gedanken und Gefühle, die mit dem Essen zusammenhängen

    Allen gemeinsam ist: Die Patientinnen beschäftigen sich gedanklich dauernd mit Essthemen. «Bei Patientinnen mit Essstörungen kreist alles ums Essen», sagt Milos. «Sie haben Angst vor dem Essen, Schuldgefühle nach dem Essen, sie beschäftigen sich ausführlich mit Kalorienzählen und der Umsetzung der Mahlzeiten. Viele können neben dieser auslaugenden mentalen Beschäftigung mit dem Essen nicht mehr in die Schule oder zur Arbeit gehen.» Auch Gefühle und Stress werden oft mit Essen oder Fasten neutralisiert.

    Deshalb geht es bei den heutigen Essstörungstherapien darum, die Gefühle gegenüber dem Essen anzunehmen und auszuhalten sowie Ordnung in die Mahlzeiten zu bringen. «Den Patientinnen fehlt die Orientierung durch das Hunger- und Sättigungsgefühl», erklärt Milos, «Normalerweise essen Menschen, wenn sie Hunger haben, und hören auf, wenn sie gesättigt sind, das funktioniert bei Mädchen mit Essstörungen nicht.»

    Quellen:

    Artikel
    Neuste Therapie von Essstörungen.
    Universität Zürich, April 2009

    DBT-ESS

    Oft sind die Betroffenen sehr strebsam und haben hohe Ansprüche an sich. Vielleicht fällt es Ihnen schwer mit eigenen Gefühlen umzugehen, für sich einzutreten oder einen guten Selbstwert zu entwickeln.

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    Auch innerhalb der Familie hat eine Essstörung starke Auswirkung auf alle Familienmitglieder und führt zu Hilflosigkeit, Konflikten und vielem mehr.

    Die DBT-A-ESS ist eine Therapieform, die Jugendliche dabei unterstützt

    • sich selbst und andere achtsam wahrzunehmen,
    • einen funktionalen Umgang mit Gefühlen zu finden,
    • zwischenmenschliche Fertigkeiten einzuüben,
    • den Selbstwert zu stabilisieren,
    • einen guten Umgang mit Stress zu erlernen,
    • das Zusammenleben in der Familie zu verbessern.

    Hierzu lernen die Jugendlichen sogenannte Skills (englisch für Fertigkeiten). Es gibt

    • Achtsamkeitsskills
    • Skills zum Umgang mit Gefühlen
    • Zwischenmenschliche Skills
    • Selbstwertskills
    • Stresstoleranzskills

    Alternative Therapieformen

    Jede Art von Therapieform, die den/die Betroffene individuell in seinen Bedürfnissen unterstützt, ist wertvoll.

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    So werden im stationären, wie im auch im tagesklinischen Setting neben den oben genannten 4 «Säulen» alternative Therapieformen angeboten, die auch im ambulanten Setting genutzt werden können und die den betroffenen Menschen in seinen Bedürfnissen individuell unterstützen und somit zur Heilung beitragen:

    … in dem sie z. B. die Körperwahrnehmung schulen, Selbstwirksamkeit und Selbstwert fördern, Selbstheilungskräfte anregen, kognitive Fähigkeiten verbessern, nonverbale Ausdrucksmöglichkeiten bieten, Entspannungsmethoden vermitteln, u.v.m.

    Nur einige Beispiele aus einer grossen Vielfalt von Therapiemöglichkeiten:

    • Tiergestütze Therapie (z. B. Reittherapie)
    • Ergo-, und Musiktherapie
    • Atemtherapie
    • Yoga / Meditation / Sport- und Bewegungstherapie

     Die Rolle der Eltern im Therapieteam

    Eltern tragen KEINE Schuld an der Essstörung ihres Kindes und sind wichtige Partner für die Therapie

    Leider scheint noch immer die Annahme, dass Eltern die Erkrankung ihres Kindes (mit)verursachen schwerer zu wiegen, als wissenschaftliche Fakten, was leider immer noch oft dazu führt, dass Eltern von ihren Kindern getrennt werden, statt sie in die Therapie fest mit einzubeziehen.

    «Erst im Jahr 2010 gab es eine erlösende Stellungnahme der internationalen Akademie für Essstörungen. Die Verfasser stellten fest, dass keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die familiäre Einflüsse als alleinige oder primäre Ursache der Magersucht nachweisen. Zugleich forderten sie Therapeuten und Medien auf, entsprechende Behauptungen künftig zu unterlassen. Trotzdem suchen immer noch viele Familien die Schuld für die Erkrankung bei sich selbst. Mehr als die Hälfte der Eltern glauben, so ergab eine Befragung durch uns im Jahr 2014, dass sie von den meisten Menschen für weniger fürsorglich und vertrauenswürdig gehalten werden.»
    (Quelle: Beate Herpetz-Dahlmann, (RWTH, Aachen)

    Eltern sind Spezialisten in bezug auf ihr Kind. Sie kennen ihr Kind am besten, nur sie wissen, wie ihr Kind vor der Erkrankung war und sind damit «Anwälte» und wichtige Informationsquellen für Therapeuten.

    Eltern haben ein feines Gespür dafür, ob sich etwas im Verhalten ihres Kindes ändert. Dieses «Frühwarnsystem» ist so wertvoll, denn es zeigt nicht nur den Beginn einer Essstörung oder Anzeichen für einen möglichen Rückfall an, sondern ebenso kleinste aber wichtige Schritte in Richtung Genesung, die wertgeschätzt werden sollten und die helfen, neue Ziele zu setzen und die Therapie entsprechend anzupassen.

    Als Teil des Therapieteams können Eltern helfen, individuelle Ziele und Motivationsquellen aufzuzeigen, die das Kind möglicherweise aufgrund seines Krankheitszustandes alleine (noch) nicht sehen kann.

    Und nur Eltern können erkennen, wann ihr Kind wieder «zum Vorschein kommt», d. h. die Symptome der Essstörungen in den Hintergrund treten und die Zeit gekommen ist, dem Kind wieder mehr Verantwortung zu übertragen und die Therapie entsprechend anzupassen.

    Eltern würden die Welt aus den Angeln heben, damit ihr Kind wieder gesund wird und sie stellen sich dafür 24/7 zur Verfügung, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Damit sind sie im Genesungsprozess wichtige Partner, denn sie erleben ihr Kind in den vielen Stunden und in allen Situationen ausserhalb der Therapieeinheiten.

    Um jedoch dieser Mammutaufgabe gerecht zu werden, brauchen Angehörige viel Unterstützung und Information. Oft liegt ein langer, steiniger Weg vor ihnen und ihrer Familie, mit vielen Höhen und Tiefen. Eine Genesung ist kein geradliniger Verlauf und gleicht einem Marathon.

    Eltern dürfen und müssen dabei auch Fürsorge für sich tragen, sich Auszeiten nehmen, Kraft tanken. Dafür brauchen sie Unterstützung besonders aus dem näheren Umfeld und sie brauchen Wissen, um Entscheidungen für ihr erkranktes Kind (mit)treffen zu können.

    Unterstützung für Eltern und Angehörige / Partner / Geschwister

    Wertvolle Beratungs-/Coaching und Therapie-angebote werden in Gemeinden / an Spitälern oder anderen sozialen Einrichtungen (soziale Dienste) angeboten, wie z. B.,

    • systemische Therapie, Familientherapien und -Coaching
    • Eltern- und Angehörigen-Beratungsstellen (bei Erkrankung eines Familienmitglieds)
    • Selbsthilfegruppen und Angebote zum Austausch für Eltern/Angehörige und Geschwister

    Tipps für Angehörige/Eltern:

    Homepage
    Hilfe durch Eltern

    ANAD e.V. Versorgungszentrum Essstörungen

    Homepage
    Warm Socks: Reflections on recovery for parents

    ANAD e.V. Versorgungszentrum Essstörungen

    Tipps für Geschwister:

    Homepage
    Hilfe durch Geschwister

    ANAD e.V. Versorgungszentrum Essstörungen

    Homepage
    What about the siblings

    ANAD e.V. Versorgungszentrum Essstörungen

    Familienbasierte Therapie

    Leider erfahren Eltern im deutschsprachigen Raum, wenig bis gar nichts über diese Option der Therapie, die in England längst Goldstandart ist.

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    Die Rede ist von der Familienbasierten Therapie (FBT), eine auf den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauende Therapie-Form, die am meisten auf seine Effizienz wissenschaftlich untersucht wurde. Die Familienbasierte Therapie (FBT) wurde ursprünglich am Maudsley Hospital in London entwickelt und weiter verfeinert durch Lock und le Grange an der Universität in San Francisco.

    Eltern nehmen hier eine entscheidende Rolle im Therapieteam ein. Sie werden geschult und dabei unterstützt, mit ihren Kindern zu Hause, und damit im gewohnten Umfeld, die Mahlzeiten einzunehmen. Oberste Priorität hat eine schnelle Gewichtsstabilisierung, die die Rückkehr in ein gesundes und normales Leben ermöglichen soll.

    Diese Form der ambulanten Therapie verläuft in 3 Stufen.

    Essen ist Medizin und nicht verhandelbar!

    Gut geeignet für Kinder/Jugendliche, die noch zu Hause wohnen und von ihren Angehörigen unterstützt werden können, begleitet von einem/einer auf FBT spezialisierten Therapeuten.

    Weitere wichtige Informationen:
    Beim Netzwert Magersuchteltern teilen Eltern Informationen und Erfahrungen, die sie mit FBT gerade machen oder bereits gemacht haben. Netzwerk Magersuchteltern ist eine Organisation für Eltern im deutschsprachigen Raum, deren Kinder an Magersucht (Anorexia nervosa) erkrankt sind. Das Netzwerk wird ehrenamtlich von Eltern für Eltern unterhalten und bietet Unterstützung, Information und FBT & Maudsley Ressourcen in deutscher Sprache, Online-Eltern-Selbsthilfegruppen und Kontakte zu FBT Therapeuten.

    Bei Anfragen bitte direkt an  E-Mail: nachricht@netzwerk-magersuchteltern.de

    «Anorexia-Family by Eva Musby»

    Homepage
    Video

    Download:

    guidebook

    «Magersuchteltern»

    Homepage
    Netzwerk Magersuchteltern
    netzwerk-magersuchteltern.de
    Homepage

    Pilotstudien:

    Noch gibt es im deutschsprachigen Raum sehr wenige Therapeuten, die nach der »Maudsley Methode» arbeiten.

    Hometreatment

    Die Angehörigen in die Therapie mit einzubeziehen, sie entsprechend zu schulen und zu begleiten, im Idealfall im Hometreatment, ist für alle Beteiligten wertvoll.

    Mehr erfahren

    Hometreatment ist «HoT»- das Aachener Modell der Uniklinik RWTH Aachen erklärt Hometreatment anhand ihres Behandlungsplans:

    Es trägt entscheidend dazu bei, notwendige Krankenhausaufenthalte zu verkürzen, Rückfallquoten zu senken und den Kindern/Jugendlichen/Erwachsenen die Möglichkeit zu geben, in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben, nachhaltig zu gesunden und sich schneller und besser wieder in ein gewohntes Leben zu integrieren.

    Zusammenfassend

    Hier finden Sie nochmal ein kurzes Video, das einen Überblick über die 3 Hauptkategorien von Essstörungen gibt und 3 Therapieformen beschreibt, die wir teilweise bereits vorgestellt haben: CBT, FBT und neu an dieser Stelle Interpersonale Therapie:

    Videos:

    Video
    Neuro Transmissions, Youtube

    Download: